Collage unter Verwendung der Bildtafel „Mutterberatung der Gemeinde Wien“ und des Gedichts „Mutterns Hände“ von Kurt Tucholsky.
Otto Neurath stellte bildstatistischen Tafeln nicht nur in Wien, sondern auch in anderen Großstädten Europas aus: „Mutterberatung der Gemeinde Wien“ wurde beispielsweise 1929 in Berlin-Kreuzberg in der Ausstellung „Wien im Bild“ gezeigt. Ort der Ausstellung war das Gesundheitshaus am Urban. Aus diesem Grund habe ich Neuraths Tafel mit Kurt Tucholskys Gedicht „Mutterns Hände“ ergänzt, in welchem ein Kind in Berliner Mundart die tägliche, unermüdliche Arbeit seiner Mutter in Dankesworten würdigt:
Mutterns Hände (Kurt Tucholsky)
Hast uns Stulln jeschnitten un Kaffe jekoch
un de Töppe rübajeschobm-
un jewischt un jenäht un jemacht und jedreht…
alles mit deine Hände.
Hast de Milch zujedeckt, uns Bonbongs zujesteckt
un Zeitungen ausjetragen-
hast die Hemden jezählt und Kartoffeln jeschält…
alles mit deine Hände.
Hast uns manches Mal bei jroßem Schkandal
auch’n Katzenkopp jejeben. [Katzenkopp = Kopfnuss]
Hast uns hochjebracht.
Wir wahn Sticker acht,
sechse sind noch am Leben…
alles mit deine Hände.
Heiß warn se un kalt. Nu sind se alt.
Nu bist du bald am Ende.
Da stehn wir nu hier un dann komm wir bei dir
und streicheln deine Hände.“
Tucholskys „Mutterns Hände“ wurde erstmals 1929 in der Arbeiter-Illustrierte-Zeitung veröffentlicht, Hanns Eisler vertonte 40 Gedichte Tucholskys, darunter auch „Mutterns Hände“, in den späten 1950er-Jahren.












