Zwei große Metallrahmen, in denen sich durchlöcherte schwarze Keramiktafeln aneinanderreihen. Hunderte Lichtpunkte strahlen durch die kleinen Öffnungen wie Sterne in der Nacht. Treten wir aber zurück, entstehen aus der Illusion einer nächtlichen Himmelsdarstellung die Worte von Gebeten. Die Texte des „Vater Unser“ und die arabischen Schriftgirlanden der „Ersten Sure des Koran“ werden plötzlich lesbar. Worte, die seit Jahrhunderten Kraft spenden, Trost schenken und die für Millionen von Menschen Ausdruck tiefen Glaubens sind.
Doch die schwarzen Worttafeln zeigen Spuren ihrer Entstehung: Ich habe die Buchstaben vor dem Brennen in die noch weichen Tonfliesen hineingeschossen, vor den Metallgerüsten liegen Eisenwannen mit den verschossenen Bleiprojektilen.
Dem Missbrauch von Religion, der inhärenten Gewaltlogik im Gewand des Sakralen, wird hier eine Arbeit entgegengesetzt, die das performative Reden in der Sprache des Gebetes mit einem Handeln verbindet, das jenem aufs Tiefste entgegensteht.
Der Sinn des „Vater Unser“, wie auch der Wesensinhalt der „Ersten Sure des Koran“, stehen beide in krassem Gegensatz zu dem gewalttätig vollzogenen „Schreiben“.
Die in der Geschichte immer wiederkehrenden Versuche, Religion und Glauben mit Waffengewalt durchzusetzen, werden in dieser Installation in ihrem fundamentalen Widersinn verstörend entblößt.
Die Installation wurde in der Ausstellung „IRREALIGIOUS!“ im Kulturzentrum bei den Minoriten / Graz gezeigt und ist im Katalog „Gott hat kein Museum“, 2015, Hrs: Johannes Rauchenberger, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn, ISBN: 978-3-506-78241-0 abgebildet.
„IRREALIGIOUS!“ war Teil des Programms des steirischenherbst 2011.




