DIE WÜRDE DES MENSCHEN IST UNANTASTBAR
Barrierefreie Installation, 2012/2022
Schwarze, durchschossene Mangantonplatten, Metallrahmen, Projektilwanne, LED-Lichtleisten, Trafo
H/B/T = 206 cm / 142cm / 42 cm

Leihgabe von „Zero Project | Essl Foundation“ an das Österreichische Parlament,
positioniert im Foyer des Untersuchungsausschuss-Saals, Lokal 1 „Erwin Schrödinger“

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“ (Charta der Grundrechte der Europäischen Union, Artikel 1): Jeder Mensch besitzt allein durch sein Menschsein einen Eigenwert, der vom Staat niemals verletzt, entzogen oder zur Disposition gestellt werden darf. Dieser Wert ist unabhängig von Herkunft, Alter, Geschlecht, Religion oder sozialem Status. Alle Grundrechte bauen auf dem der Menschenwürde auf.
Dieser fundamentale Grundsatz überbrückt alle politischen, kulturellen und sprachlichen Verschiedenheiten der Staaten innerhalb der Europäischen Union. Um dies darzustellen, habe ich für meine barrierefreie Installation aus allen EU-Amtssprachen zehn ausgewählt, sowie alle drei in diesen Sprachen vorkommenden Alphabete verwendet und die Braille-Schrift als Symbol für die Bedeutung der Inklusion hinzugefügt.
Die ausgewählten Sprachen sind: Englisch und Deutsch (als germanische Sprachen), Französisch und Portugiesisch (als romanische Sprachen), Bulgarisch und Polnisch (als slawische Sprachen), Litauisch als baltische Sprache, Griechisch, Finnisch als finno-ugrische Sprache und Maltesisch als semitische Sprache.

In feuchte Tonplatten geschossen und nach dem Brand in ein hinterleuchtetes Metallgerüst eingefädelt, ist der Text nun in der Tradition archaischer Gesetzestafeln in unglasierte Tonplatten eingeschrieben. Am Boden vor der Installation sind die Projektile in einer Metallwanne zu sehen. Der gewaltassoziierte Herstellungsprozess verweist auf das Paradoxon der Menschheitsgeschichte, in der humane Grundrechte allzu oft mit Waffen durchgesetzt werden mussten und leider immer noch müssen.
Gebrannter Ton ist aber nicht nur hart, sondern zugleich fragil, also durchaus „antastbar“ und verletzlich. Meine Installation ist daher als permanente Aufforderung zu lesen: Die Unantastbarkeit der Menschenwürde muss geschützt, bewahrt und verteidigt werden, und zwar immer und ständig. Das ist nicht nur, aber auch, eine europäische Aufgabe, die sich immer wieder neu und anders stellt.
Die Arbeit wurde im Jahr 2012 in Maribor, der damaligen Kulturhauptstadt Europas, bei der 2. Internationalen Keramik-Triennale UNICUM 2012, mit dem Grand Prix ausgezeichnet.