Ein wilder Knabe bezwingt ein Mädchen, das „Röslein“, und die Heide wird zum Schauplatz früher sexueller Begegnung: Ein archetypisches Drama männlicher Dominanz und weiblicher Unterwerfung.
So hat man über Dekaden hinweg Goethes Heidenröslein interpretiert, Franz Schuberts berühmte Vertonung war fester Bestandteil des Liedrepertoires einer Elisabeth Schwarzkopf, eines Hermann Prey.
Doch in letzter Zeit wurde es stiller um Goethes „Volksgedicht“ aus der Sturm-und-Drang-Epoche.
Sichtweise und Interpretation von Gewalt an Frauen haben sich über die Jahre verändert. Aus feministischer Sicht wird Goethes „Heidenröslein“ heute als Parabel auf patriarchale Machtverhältnisse und sexualisierte Gewalt gegen Frauen interpretiert. Das Gedicht spiegelt ein Rollenbild wider, in dem der Mann als aktiver „Eroberer“, die Frau als passives Objekt erscheint und der Mann das „Nein“ der Frau nicht akzeptiert. Die heutigen Bezeichnungen für das salopp von Goethe beschriebene „musst-es-eben-leiden“- Handeln des „Eroberers“ sind: sexueller Übergriff, sexuelle Nötigung, Vergewaltigung.
Ich habe den Text in violette Tontafeln geschossen, denn Violett gilt als zentrale Farbe in der Frauenbewegung und steht für Selbstbestimmung und Gleichberechtigung. So wird durch die Farbgebung der Fokus weg von der „Eroberungsgeschichte“ des Knaben gelenkt.
Hinterleuchtet mit weißen LED-Streifen, lassen sich rückseitig auch durchsichtige orange Kunststofffolien anbringen, die zwischen 25. November (dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen) und 10. Dezember (dem Tag der Menschenrechte) die Installation in oranges Licht tauchen können.
Die Installation gewann 2007 den Bundespreis beim Salzburger Keramikpreis, dem renommiertesten Preis für zeitgenössische Keramikkunst in Österreich.




