GEBAREN
Digitale Collage, 2011
Folie matt, kaschiert auf Alu-Dibond, Wandaufhängung
H/B = 92 /100 cm, Auflage: 3+1

Eingebettet in die Bilderwelt des „Genter Altars“ der Brüder Van Eyck, vollendet 1432, steht Wonder Woman mit dem goldenen Lasso, das Menschen dazu bringt, nur aufrichtige Antworten zu geben. Im Hintergrund sehen wir eine Prozession, die zur Anbetung des Erlösung versprechenden Lammes Gottes pilgert.

Wonder Woman ist umringt von Flagellanten, Angehörigen einer christlichen Laienbewegung, die durch öffentliche Selbstgeißelung Sühne für Sünden leisten wollten, indem sie die Leiden Christi nachvollzogen. Meist zogen sie in Krisenzeiten durch das Land. Die Büßer sind dem Gemälde „Madonna della Misericordia“ (Unserer Lieben Frau der Barmherzigkeit) von Pietro di Domenico da Montepulciano, gemalt um 1420, entnommen. Dort drängen sich die Menschen um eine sie alle überragende Gottesmutter Maria, die ihren weit ausgebreiteten Mantel öffnet, um ihnen Schutz zu bieten.

Die Comic-Heldin zeige ich im gleichen Größenmaßstab wie die sie umgebenden Schutzsuchenden. Demnächst wird sie eine Antwort auf die Beweggründe der sich Geißelnden erhalten, denn eine Berührung mit ihrem Goldlasso steht kurz bevor. Stehen die Selbstverletzungen im Zusammenhang mit religiöser Praxis oder sind sie Versuche, emotionale Schmerzen durch physische zu verdrängen? Können Menschen durch Selbstreflektion ehrliche Antworten auf die Gründe ihres Tuns finden?

Die digitale Collage ist umschlossen vom Goldrahmen des Gemäldes „Verkündigung“, das von einem unbekannten Künstler Ende des 15. Jahrhunderts geschaffen wurde. Zu sehen ist es im Warschauer Nationalmuseum.

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