DAS HEIDENRÖSLEIN
Schussinstallation, 3-teilig, 2007
Violette, durchschossene Keramiktafeln, 3 Metallgerüste, 3 Projektilwannen, LED-Lichtleisten, Trafo
H/B/T = je 184 cm / 92cm / 40cm

(Bundespreis des Salzburger Keramikpreises 2007)

Als Freud 1930 den renommierten Goethepreis der Stadt Frankfurt erhielt, hätte man „Das Heidenröslein“ vielleicht noch verharmlosend als eine Form der Sublimierung gesehen, bei der Goethe ein schuldbeladenes eigenes reales Erlebnis in eine ästhetische, volksliedhafte Form transformiert haben könnte, um einen inneren Konflikt zu bewältigen: Der Knabe bezwingt, unbewusst triebgesteuert, das Röslein, und die Natur, die Heide, wird hier zum Schauplatz dieser frühen sexuellen Begegnung. Ein archetypisches Drama männlicher Dominanz und weiblicher Unterwerfung.

Sichtweise und Interpretation von Gewalt an Frauen haben sich über die Jahre verändert. Aus feministischer Sicht wird Goethes „Heidenröslein“ heute als Parabel auf patriarchale Machtverhältnisse und sexualisierte Gewalt gegen Frauen interpretiert. Das Gedicht spiegelt ein Rollenbild wider, in dem der Mann als aktiver „Eroberer“ und die Frau als passives Objekt erscheint und der Mann das „Nein“ der Frau nicht akzeptiert. Die heutigen Bezeichnungen für das Handeln des „Eroberers“ sind: sexueller Übergriff, sexuelle Nötigung, Vergewaltigung. 

Ich habe den Text in violette Tontafeln geschossen, denn Violett gilt als zentrale Farbe in der Frauenbewegung und steht für Selbstbestimmung und Gleichberechtigung. So wird durch die Farbgebung der Fokus weg von der „Eroberungsgeschichte“ des Knaben gelenkt.
Hinterleuchtet mit weißen LED-Streifen, lassen sich rückseitig auch durchsichtige orange Kunststofffolien anbringen, die zwischen 25. November (dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen) und 10. Dezember (dem Tag der Menschenrechte) die Installation in oranges Licht tauchen können.

Details